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Kapitel

Liste der Teile

Kapitel 6

ZWEI MELODIEN

Wie man zwei komplexe Melodien in die Begrenzungen eines tragbaren Gehäuses einpasst.

Autoren der Kapitel

JEFFREY S. KINGSTON

Autoren der Kapitel

JEFFREY S. KINGSTON
ZWEI MELODIEN
ZWEI MELODIEN
Ausgabe 25 Kapitel 6

Wenn Sie jemals das Privileg hatten, jene Schlüsselelemente einer Minuten­ repetition zu betrachten, die die Zeit akustisch anzeigen, ist das Schau­ spiel faszinierend: Komponenten mit einem atemberaubenden Maß an Komplexität „lesen die Zeit“ von dem laufenden Werk der Uhr, rüsten sich für das Läuten und gehen dann in Aktion, indem sie die Hämmer loslassen. Von all den Klangbildern sind es die Viertelstunden, mehr als die Stunden oder Minuten, die die Szene stehlen. Denn es sind die Viertel­ stunden, die alle Hämmer betätigen, deren im Falle fast aller Repetitionen nur zwei zählen.

Die Grande Double Sonnerie von Blancpain nimmt dieses Maß an außerge- wöhnlicher Komplikation und vervielfacht es, da sie vier Hämmer für die Viertelstunden in all ihren Läutmodi aktiviert: Grande Sonnerie, Petite Sonnerie und Répétition. Wie hat Blancpain es also weit gebracht? Nicht nur, vier Töne zu erzeugen, jeder mit seinem eigenen Hammer, sondern zwei verschiedene wählbare Melodien zu ermöglichen, die abgespielt werden können. Anders ausgedrückt, wie konnte in dem Gehäuse einer bereits über- aus komplexen Uhr, die sich am Gipfel der horologischen Errungenschaften beim Abspielen einer vier-Noten Melodie befindet, eine zweite Melodie hinzugefügt werden? Wo gibt es Raum, um die zusätzlichen Komponenten für Melodie Nummer 2 unterzubringen?

Das Betrachten des Uhrwerks trägt wenig zur Lösung des Rätsels bei. Die „pièce des quarts“ (Viertelstundenelement), das Schlüsselelement zum Läuten der Viertelstunden, ist sichtbar, aber nur der aufmerksamste Beobachter, unterstützt durch eine Lupe, könnte das Geheimnis herausfinden. Es gibt tatsächlich zwei „pièces des quarts“, die fest miteinander verbunden sind, eine über der anderen, jede mit ihrem eigenen Satz von Zähnen. Erinnern Sie sich, dass für das Läuten einer Note die Zähne des „pièce des quarts” die Arme der „levées“ (Hebel) schlagen, die wiederum die angehäng- ten Hämmer aktivieren, welche dann die Tonfedern schlagen. Die Zähne einer der „pièce des quarts“ sind der Westminster-Melodie gewidmet, die Zähne der anderen der Blancpain-Melodie. Wie wählt man also aus, welche Melodie gespielt wird, und die damit verbundene Frage, wie kann man zurückwechseln?

ZWEI MELODIEN
ZWEI MELODIEN
Die beiden „pièces des quarts“ und die entsprechenden beiden Ebenen der „levées“ für die Hämmer.

Die beiden „pièces des quarts“ und die entsprechenden beiden Ebenen der „levées“ für die Hämmer.

Die Antwort liegt in der Konstruktion der vier „levées“. Jede ist mit Armen auf zwei verschiedenen Ebenen ausgestattet, die na- türlich den beiden Ebenen der „pièces des quarts“ entsprechen. Der Genius, der die Auswahl und das Umschalten der Melodien ermöglicht, ist ein Mechanismus, der als „bascules de changement de mélodie“ (Melodiewechsel-Hebel) bezeichnet wird. Dieser wird von einem Säulenrad gesteuert, das von dem Benutzer posi- tioniert wird, wenn der Knopf zur Melodiewahl gedrückt wird. Die „bascules“ drehen die Arme jeder der „levées“ so, dass die Arme auf einer Ebene eines der „pièces des quarts“ (Melodie Nr. 1) platziert werden, wodurch deren Zähne bei einem Klang in Kontakt kommen, während gleichzeitig die anderen Arme jeder der „levées“ in eine Position gedreht werden, sodass die Zähne des anderen „pièce des quarts“ (Melodie Nr. 2) problemlos vorbeigleiten können. Anders ausgedrückt, die Westminster- Melodie zur vollen Stunde wird mit den Zähnen und Armen auf einer Ebene gespielt; die Blancpain-Melodie mit Zähnen und Armen auf der anderen Ebene.

Es gibt Zeiten, in denen wahres Genie Einfachheit innerhalb dessen entdeckt, was wie eine einschüchternde Komplexität er- scheint. So ist es mit dem zwei Melodien-System von Blancpain für die Grande Double Sonnerie. 

Der magnetische Regulator für die Sonnerie.

Der magnetische Regulator für die Sonnerie.

Die Unterseite der Regulatorbrücke; im zusammengebauten Zustand der Uhr nicht sichtbar.

Die Unterseite der Regulatorbrücke; im zusammengebauten Zustand der Uhr nicht sichtbar.

Kapitel 07

RÉTROGRADE PERPÉTUEL

Ohne Übertreibung, eine These: Ein ewiger Kalender wird jeden Tag konsultiert.

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JEFFREY S. KINGSTON
RÉTROGRADE PERPÉTUEL
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